„Bei uns ist jeden Tag Geburtstag“: Hebammen berichten aus ihrem beruflichen Alltag

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Bei uns ist jeden Tag Geburtstag“: Hebammen der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg berichten aus ihrem beruflichen Alltag

Bärbel Poppek schließt die Tür des Kreißsaals freudestrahlend. „Das ist ein wunderschöner Beruf“, sagt sie zufrieden und erschöpft. Frau Poppek ist eine der freiberuflichen Hebammen an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg unter der Leitung von Chefarzt Dr. Thomas Martin. Die Hebamme hat soeben einer jungen Mutter geholfen, ihr Baby auf die Welt zu bringen. „Als Beleg-Hebamme betreut man eine werdende Mutter während der Schwangerschaft, in der Zeit der Wehen bis zur Geburt oder auch nur im Wochenbett zuhause. Jede dieser Phasen bringt neue Herausforderungen mit sich. Aber die Geburt ist immer wie ein Wunder“, sagt die erfahrene Hebamme, die in diesem Jahr ihr 35-jähriges Berufsjubiläum begeht.

Unterstützung der werdenden Eltern – auch beim Bonding

Nach der Geburt ist es auch die Aufgabe der Hebamme, sich um das Neugeborene zu kümmern. Das Baby erfährt einen Temperatursturz von über 10°C und wird deshalb direkt auf den unbekleideten Oberkörper der Mutter gelegt und mit einem vorgewärmten Tuch bedeckt, um den Temperaturunterschied zu dämpfen. Dieser innige erste gemeinsame Moment, das Bonding, reguliert den Herzschlag, die Atemfrequenz, beruhigt das Kind und stärkt die Bindung durch eine hohe Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin. „Diese Glückshormon verspüren auch die Hebammen“, schmunzelt Bärbel Poppek. Eine Besonderheit in der Betreuung der Kreisklinik Groß-Umstadt ist das Bonding während einer Kaiserschnitt-Geburt, was durch das langjährige Bemühen der Hebammen möglich ist. Dankbar sind die Hebammen an dieser Stelle für das gute Zusammenspiel mit dem Anästhesie- und OP-Team, ohne die das Bonding nach dem Kaiserschnitt nicht möglich wäre. „Dieser liebvolle Start eines jeden Kindes ins Leben liegt uns allen hier sehr am Herzen“, schwärmt die erfahrene Hebamme. Bei einer Kaiserschnittgeburt in Vollnarkose ist das in der Form leider nicht möglich.

Hilfe beim Stillen

Bei allen Müttern, die stillen wollen, wird das Baby bald nach der Geburt an die Brust angelegt. „Als Hebamme ist es unsere wichtigste Aufgabe, die Mütter in dieser emotional aufregenden Zeit so gut wie möglich zu motivieren und zu unterstützen. Das ist eine schöne aber manchmal auch anstrengende Aufgabe. Am Ende ist es da der einmalige Augenblick der Geburt eines Kindes und man weiß, wofür man jeden Tag diese Arbeit macht“, sagt die Hebamme. „Dieser Moment hat in seiner Einmaligkeit fast etwas Heiliges und für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen, auch nach all den Jahren“, fährt Frau Poppek fort. „In den ersten Tagen nach der Geburt werden die jungen Familien freundlich und fachkundig von unserem Team der Wochenstation unterstützt. Hand in Hand arbeiten wir mit den Schwestern der Station zusammen, wobei uns eine ruhige und private Atmosphäre sehr wichtig ist. Eine große Freude ist es für das ganze Team, dass wir über die Möglichkeit verfügen, Familienzimmer anzubieten. Dies empfehlen wir den Eltern für ein gutes Ankommen im Familienleben. Durch den schönen Ausblick der Zimmer auf den Otzberg nennen wir sie scherzhaft und liebevoll „Jugendherberge Otzbergblick“, fügt sie lächelnd hinzu. Dank der insgesamt 13 in der Kreisklinik Groß-Umstadt tätigen Hebammen, ist die Versorgung der Mütter mit großer persönlicher Zuwendung bestens gewährleistet.

Entwicklung der Geburten

Trotz der zunehmenden offensiven Werbung für eine Zentralisierung der Geburten in großen Kliniken, konnten die Geburtenzahlen an der Kreisklinik Groß-Umstadt in den letzten Jahren gut gehalten, sogar leicht gesteigert werden. Wir haben pro Jahr 450- 480 Geburten“, sagt die Hebamme. „Aufgrund unserer Größe ist es uns möglich, eine intensive, umsorgende sowie individuelle Betreuung der hier entbindenden Frauen, zu realisieren. Dazu kommt die große zeitliche Präsenz unserer Hebammen. Selbstverständlich verfügen wir über die Möglichkeiten der modernen Medizin, sind auf Risikosituationen vorbereitet und können ggf. auf die Zusammenarbeit mit umliegenden großen Zentren der Geburtshilfe mit Kinderklinik zurückgreifen“.

Dr. Thomas Martin, Chefarzt der Geburtsklinik der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, freut sich sehr über die langjährige, gute Partnerschaft zum Hebammenladen Groß-Umstadt. „Mit dem Hebammenladen Groß-Umstadt verbindet mich und auch die Frauenklinik in Groß-Umstadt eine langjährige, vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit.“ Seit 1995 begleiten die Geburtshelferinnen des Hebammenladens freiberuflich Frauen durch die Schwangerschaft. In dieser Zeit haben mehr als 7000 Kinder mit ihrer Hilfe das Licht der Welt erblickt, die meisten davon in der Geburtsklinik in Groß-Umstadt. Über die Jahre entstanden weitere enge Zusammenarbeiten mit umliegenden Hebammenpraxen. „Wir freuen uns, wenn diese gute Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen in der Region und natürlich insbesondere der Schwangeren, der Mütter und ihrer Neugeborenen, noch viele Jahre andauert“, sagt Dr. Martin.

Weitere Infos unter www.hebammenladen.de.

Fragen an Dr. Thomas Martin, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, zum Thema Geburt & Bonding.

Herr Dr. Martin, immer mehr Geburtskliniken bieten das sogenannte Bonding an. Was genau versteht man darunter?

Bonding gibt dem Baby Stabilität und sorgt für einen guten Start in die Welt. Es ist der Beginn einer festen, lebenslangen Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Baby wird in direktem Hautkontakt von der Mutter im Leben begrüßt. Messen, Waschen und Wiegen sollen diesen Moment nicht stören und können auch später durchgeführt werden. Ein erster Gesundheitscheck des Babys kann auf dem Bauch der Mutter erfolgen. Das Bonding ist für jede Mutter wichtig, da es zu einer sehr engen Bindung zwischen der Mutter und dem Neugeborenen führt, bedeutsam für Frauen die nicht stillen.

Wie wirkt sich Bonding auf das Baby aus?

Dieser Aufbau einer festen Beziehung ist von großer Wichtigkeit für das spätere Leben des Kindes. Er hat direkten Einfluss darauf, wie sicher und selbstbewusst das Kind später einmal selbst Beziehungen zu anderen aufbaut und wie es mit ungewohnten Situationen umgeht. Denn unsere erste Beziehung ist die zu unseren Eltern. Den Eltern wiederum hilft es, in ihre neue Rolle hineinzufinden und ihr Kind besser zu verstehen. Dafür brauchen alle Beteiligten nach der Geburt zunächst einmal eine ruhige, gemeinsame Zeit, auf die in den Kreiskliniken in Groß-Umstadt großer Wert gelegt wird.

Info-Abend und Kreißsaal Führung

Wenn Sie Hebammen, Schwestern und Ärzte des Geburtshilfe-Teams in Groß-Umstadt kennenlernen möchten, kommen Sie zu unserem nächsten Info-Abend.

Termin: Jeden dritten Dienstag eines Monats um 19 Uhr

Treffpunkt: Eingangshalle der Kreiskliniken

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

 

Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsklinik
Krankenhausstraße 11
64823 Groß-Umstadt
Telefon: 06078/79 – 2601

E-Mail: frauenklinik@kreiskliniken-dadi.de
Website: www.kreiskliniken-dadi.de