Geriatrisches Assessment – Untersuchung der Fitness älterer Patienten

Geriatrisches Assessment – Untersuchung der Fitness älterer Patienten

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Mit einer schweren Lungenentzündung schleppt sich Hildegard Meyer* in die Kreisklinik Groß-Umstadt. Fieber und Atemprobleme zwingen die bisher agile Rentnerin zu einem stationären Aufenthalt und vorübergehender Bettruhe. Ein muskulärer Abbau, der den Körper der 87-Jährigen zu einem Pflegefall werden lässt, ist vorprogrammiert. Die Klinik für Geriatrie hilft Betagten aus dem Teufelskreis.

Auf der Station speziell für ältere Menschen behandeln die Ärzte nicht nur die akute Krankheit, sondern führen parallel ein sogenanntes Geriatrisches Assessment durch. Diese Testreihe wird bei jedem in die Geriatrie eingelieferten Patienten vorgenommen und analysiert neben körperlichem und psychischem Befinden unter anderem Wohnverhältnisse und Alltagskompetenz. Das Assessment soll Aufschluss über die körperliche und seelische Fitness geben und – im Fall von Hildegard Meyer* – vor anschließender Bettlägerigkeit bewahren.

2,5 Millionen Pflegebedürftige
Deutschlandweit steigt die Zahl älterer Menschen: Männer und Frauen aus geburtenstarken Jahrgängen altern, die Zahl der Neugeborenen sinkt mit jeder Generation. Nach aktuellen Hochrechnungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind 2060 knapp die Hälfte aller Deutschen 65 Jahre und älter. 2011 zählte die Bundesregierung bereits 2,5 Millionen Pflegebedürftige. Höchste Zeit also, Rentnern zu einer möglichst hohen Lebensqualität zu verhelfen. „Ziel des Geriatrischen Assessment ist es, Ressourcen und Defizite der Patienten zu erfassen und darauf aufbauend zu schauen, was wir wo stärken können“, sagt Dr. Martin Schunck, Chefarzt der Klinik für Geriatrie an der Kreisklinik Groß-Umstadt. „Mit allgemeinen Tests können wir Körpergewicht, Blutdruck und Herzfrequenz, Temperatur und zahlreiche Laborwerte untersuchen. Aber im Rahmen des Geriatrischen Assessments messen wir auch Grade an Vergesslichkeit, Mobilität und Selbsthilfebedarf.“

Überprüft wird zum Beispiel, wie selbstständig der Patient isst, sich wäscht, Treppen steigt, ob er gut sehen und hören kann, aber auch die geistige Fitness: Der Patient bekommt ein Blatt Papier mit vorgezeichnetem Kreis, in den er die Ziffern einer Uhr und eine vorgegebene Zeit eintragen soll – ein Screening, das Hirnleistungsstörungen enttarnt. Darüber hinaus wird die Wohnsituation beleuchtet, ob also Stolperfallen, fehlende Griffe zum Beispiel im Bad oder unüberwindbare Barrieren wie Treppen Gefahren darstellen und das alltägliche Leben erschweren.

Ganzheitliche Diagnostik
Diese Form der ganzheitlichen Diagnostik – eine Art Bestandsaufnahme – kann aufgrund ihrer Komplexität nicht durch eine einzelne Berufsgruppe stattfinden. Deshalb erstellt ein Team aus Spezialisten im medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Bereich aus den Ergebnissen gemeinsam mit Patient und Angehörigen einen individuellen Behandlungsplan. So werden in Ergo- und Physiotherapie beispielsweise Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer sowie Alltagssituationen trainiert, bei Bedarf erfolgen neben einer medizinischen Behandlung zudem psychologische Diagnostik und Betreuung, die Beratung über eine seniorengerechte Anpassung von Wohnräumen oder auch Hilfe beim Erledigen von Behördenformalitäten.

„Die Durchführung eines Geriatrischen Basis-Assessments ist inzwischen in allen größeren Geriatrien üblich“, sagt Dr. Schunck. Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg bieten aber Tests an, die weit über die Grunduntersuchung hinausgehen. „Auch personell sind wir sehr gut aufgestellt“, betont der Geriatrie-Chefarzt und verweist auf zum Personal gehörende Psychologen und Sozialberater. „Mit unserem umfassenden Team können alle Facetten systematisch abgeklopft und auch Hinweise von Angehörigen, die die Lebensumstände des Patienten besser kennen, mit berücksichtigt werden.

Einzug ins Pflegeheim verhindert
Hildegard Meyer* darf dank der ganzheitlichen Therapie schon bald in ihre eigenen vier Wände zurück. Neben einer medikamentösen Behandlung sowie Atemübungen und Inhalationen hatte sie mit regelmäßiger Physio- und Ergotherapie auch ihre Muskeln fit gehalten. Anfangs bewegte sie sich noch mit einem Rollator durch ihr kleines Häuschen. Ein Pflegedienst half in den ersten Wochen beim Waschen und Anziehen, das Mittagessen rollte auf Rädern an, die Haushaltshilfe der 87-Jährigen kam statt einmal vorübergehend dreimal in der Woche. Inzwischen versorgt sich die betagte Frau wieder selbst und benötigt den Rollator höchstens für ausgiebige Spaziergänge. „Hätten wir ausschließlich ihre Lungenentzündung behandelt, hätte sie körperlich wahrscheinlich rasch abgebaut, sich so schnell nicht erholt und wäre zum Pflegefall geworden“, vermutet Dr. Martin Schunck.

 

*Name von der Redaktion geändert.

 

 

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