Die heilende Wirkung von Kunst

Die heilende Wirkung von Kunst

eingetragen in: Menschen in Südhessen | 0

“Jeder Farbe wird eine bestimmte Wirkung und Bedeutung für den Menschen zugeschrieben.” Prof. Joan Sofron, Künstler und Raumgestalter,  spricht über das neue Design der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.

 

Herr Prof. Sofron, Sie haben bereits zahlreiche Räume der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg künstlerisch umgestaltet, unter anderem den Eingangsbereich zur Cafeteria am Standort Jugenheim. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Joan Sofron: Der Kontakt zum Betriebsleiter Christian Keller wurde vor zwei Jahren dankenswerterweise von Herrn Dr. Hoffart hergestellt. Wir saßen daraufhin gemeinsam mit mehreren Mitarbeitern der Klinik an einem Tisch und haben besprochen, wie unter Einbeziehung von Farbe, Licht und Oberflächen eine neue, harmonischere Raumgestaltung in den Kreiskliniken inszeniert werden kann. Wichtig war uns allen, dass die Patienten sich in den neuen Räumlichkeiten noch wohler fühlen.

Ist Wohlfühlen nicht ein ganz subjektives Thema? Wie lässt sich das an einer Klinik umsetzen?
Joan Sofron: Wohlfühlen ist zuallererst ein ganzheitliches Thema. Wie gut wir uns in einem Raum entspannen und regenerieren können, hängt vor allem ab vom richtigen Zusammenspiel aus Farbe und Form. Wohlfühlen hat also mehr als wir glauben mit einer richtigen Platzierung der Objekte und Möbel und mit einer passenden Gestaltung von Farben, Licht und Oberflächen zu tun. Die Gedanken des Feng Shui haben deshalb schon in meinen ersten künstlerischen Arbeiten Eingang in die Raumgestaltung gefunden. Feng Shui basiert auf den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Es soll deren Harmonie sicherstellen. Ist diese Harmonie erreicht, kommt es zum optimalen Energiefluss in der Umgebung. Doch auch mit der entsprechenden Farbgestaltung lassen sich Stimmungen positiv beeinflussen.

Welche Farbgestaltung haben Sie für die Kreiskliniken gewählt und warum?

Joan Sofron: Jeder Farbe wird eine bestimmte Wirkung und Bedeutung für den Menschen zugeschrieben. So gilt Rot als Farbe des Angriffs. Denken wir an Rot im Krankenhaus, assoziieren wir die Farbe zusätzlich mit Blut – ein Grund, weshalb ich diese Farbe in der Gestaltung der Räume nur sehr spärlich eingesetzt habe. Die Farbe Blau erinnert dagegen an Urlaub und der Farbe Grün wird eine harmonisierende Wirkung zugeschrieben. Dies ist auch der Grund, weshalb Ärzte im Krankenhaus bzw. bei einer Operation vorwiegend grün tragen. Gelb steht für Licht, Optimismus, Freude, Wissen und Logik, vor allem Lebensfreude. In vielen der neu gestalteten Räume in Jugenheim und Groß-Umstadt werden Sie deshalb die Farben Grün, Blau und Gelb entdecken, beispielsweise am Vorhang der Cafeteria, den Wänden und Bildern im Eingangsbereich, rund um die von mir designten Glasfenster, sogar im Fahrstuhl.

Eine solche ganzheitliche Umgestaltung lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Wie reagierten die Mitarbeiter und Patienten bisher auf Ihre Arbeit in der Klinik?
Joan Sofron: Es war und ist mir eine große Freude, die Reaktionen und die durchweg positive Resonanz zu erleben, wann immer ich an den Kreiskliniken tätig bin. Ich bin häufig direkt vor Ort, um jeden Schritt der Projektumsetzung persönlich zu begleiten. Dann versammle ich mich mit meinem Team um den Computer und entwickle die Ideen unter Einbeziehung aller Aspekte. Denn ein Raum darf und sollte niemals „fertig“ sein. Es ist mir sehr wichtig, Meinungen der im Raum wartenden Patienten einzuholen, die Ärzte nach ihren Bedürfnissen zu befragen und Kritik wie Komplimente direkt in meine Arbeit einfließen zu lassen.

Wie können Interessierte einen Blick in Ihre Schaffensprozesse werfen? Gibt es eine Ausstellung an den Kreiskliniken zu Ihren laufenden Projekten?
Joan Sofron: Eine Ausstellung gab es in Jugenheim anlässlich der Einweihung der Cafeteria vor wenigen Wochen. Außerdem arbeite ich gerade an einem Buch, das Ende des Jahres erscheinen soll und das die Hintergründe der künstlerischen Umgestaltung an den Kreiskliniken dokumentiert.