Stolpern ist häufigste Unfallursache am Arbeitsplatz

Stolpern ist häufigste Unfallursache am Arbeitsplatz

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Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen in den Unternehmen treten noch immer jedes Jahr zu viele Arbeitsunfälle auf. Dr. Wolfgang Renschler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, erklärt, wie Arbeitsunfälle verursacht werden und wie Gefahrquellen im Büro vermieden werden können.

Etwa 3 % aller Erwerbstätigen erlitten im letzten Jahr einen Arbeitsunfall, wobei die Zahl in manchen Berufen noch deutlich darüber liegt.

Dr. Wolfgang Renschler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Dr. Wolfgang Renschler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Arbeitsunfall Ursache Nr. 1: Stolpern, rutschen oder stürzen

„SRS – dieses Kürzel steht laut Berufsgenossenschaften für die häufigsten Unfallursachen: Stolpern, Rutschen, Stürzen“, sagt Dr. Renschler. Diese Stolperunfälle geschehen häufig beim Treppensteigen im Büro, meist ist der Boden uneben oder nass. Eine typische Situation ist auch die eines Bauarbeiters, der über einen am Boden liegenden Stahlträger fällt.

Arbeitsunfall Ursache Nr. 2: Falsches Bedienen von Werkzeugen und Maschinen

Beim Schneiden, Hämmern, Bohren und dem Umgang mit Handmaschinen passieren die zweithäufigsten Arbeitsunfälle. Laut der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) verletzen sich ein Drittel der Arbeitnehmer, die einen Arbeitsunfall erleiden, an den Händen und Fingern. Hierbei ist schnelles Handeln und eine unverzügliche ärztliche Behandlung besonders wichtig, da sich in den Händen viele wichtige Nerven, Blutgefäße und Sehnen befinden, die bei Nichtbehandlung langfristige Verletzungsfolgen nach sich ziehen können.

„Fast die Hälfte aller Handverletzungen sind sogenannte oberflächliche Zerreißungen, dazu zählen unter anderem Riss-, Schnitt-, Stich- und Quetschwunden“, erklärt Dr. Renschler. „Aber auch schwerere Verletzungen, bei denen wir rekonstruktive Eingriffe einschließlich mikrochirurgischer Wiederherstellung von Nerven und Gefäßen durchführen, können bei Arbeitsunfällen vor allem im gewerblichen Bereich auftreten. Die endoprothetische Versorgung der Fingergelenke kann in Einzelfällen notwendig werden.“

Arbeitsunfall Ursache Nr. 3: Falsches lagern, heben oder tragen

Im Umgang mit schweren Gegenständen ist die Verletzungsgefahr ebenfalls hoch. Ein Arbeiter nimmt beispielsweise ein Paket aus einem Regal. Durch schlechte Lagerung fällt ein schweres, darunter stehendes Paket auf seine Füße. Die unteren Extremitäten sind bei Arbeitsunfällen häufig betroffen, in 20 % der Fälle werden die Füße und in 15 % die Beine und Knie in Mitleidenschaft gezogen.

Unterschätzte Gefahren im Büro

Arbeitsunfälle treten besonders oft in der Land-, Forst und Tierwirtschaft auf. Auch im Gartenbau-Sektor, sowie im Bau, der Vermessung und der Gebäudetechnik ist die Unfallgefahr hoch. Aber nicht nur im gewerblichen Bereich geschehen Arbeitsunfälle. Zwar denken die meisten, dass das Büro ein sicherer Ort ist, aber gerade aus diesem Grund wird vergessen, wie viele Unfallquellen dort lauern. Im hektischen Büroalltag stößt man sich an offenen Schubladen oder stolpert über herumliegende Kabel. Wenn man Ordner aus höheren Schränken holen will, stellt man sich auf einen wackligen Bürostuhl und kann stürzen. Diese Unfälle können harmlos mit Schürfwunden, aber auch mit Knochenbrüchen in der Klinik enden. Deshalb ist die Gestaltung eines sicheren Arbeitsplatzes unbedingt erforderlich, um das Unfallrisiko zu minimieren. „Die Unfälle sind durch die betriebliche Arbeitssicherheit schon stark zurückgegangen. Dennoch sollte jedem Beschäftigten klar sein: Jeder Einzelne kann etwas für seine Sicherheit tun“, so Dr. Renschler.

So vermeiden Sie Stolperfallen im Büro:

  • Platzieren Sie keine Regale in Kopfhöhe, sondern immer etwas höher oder tiefer.
  • Der Boden sollte keine unbefestigten Klebekanten oder Risse im Teppichboden aufweisen.
  • Achten Sie darauf, dass bei frisch geputzten Böden ein Hinweisschild aufgestellt wird.
  • Schließen Sie Schranktüren und Schubladen immer sofort nach Gebrauch.
  • Klettern Sie nicht auf Bürostühle oder andere wackelige Hilfsmittel, um an höhere Regale heranzukommen. Benutzen Sie dazu nur Rollhocker oder Bürotrittleiter.
  • Bündeln Sie die Kabel von Geräten wie Computern, Telefonen und Druckern in Aufbodenkanälen oder in Rundketten.
  • Achten Sie bei Mehrfachsteckdosen darauf, dass die zulässigen Nennbelastungen nicht überschritten werden.
  • Lassen Sie nichts auf dem Boden herumliegen.
  • Lässt sich Mobiliar mit scharfen Ecken nicht aus engen Gehbereichen entfernen, runden Sie die Ecken ab.

 

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